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Josef Frank Oskar Wlach
1885 geboren in Baden 1903–1908 Architekturstudium TH Wien 1919–1925 Lehrer 1881 geboren in Wien 1898–1903 Architekturstudium TH Wien 1906 Promotion
Kunstgewerbeschule Wien 1933 Emigration nach Schweden ab 1939 Mitarbeit 1907 Büro mit Oskar Strnad 1913 kam Josef Frank dazu 1938 Emigration nach
Svenskt Tenn 1964 Ehrenmitglied The Circle 1967 gestorben in Stockholm USA 1940 Erwerb Architekturlizenz 1963 gestorben in New York, beerdigt in Wien
Foto: Stefan Huger Foto: Stefan Huger
Speisesaal im EG mit sorgfältig restaurierten Holzoberflächen • Dining room with carefully restored timber surfaces Im Musikzimmer stand früher der Bösendorfer Flügel. • The Bösendorfer grand piano once stood in the music room.
von • by Petra Stephan
D ie Geschichte der Villa Beer ist untrennbar mit dem Schicksal ihrer jüdischen Bau- Architekturgeschichte, die innerhalb der österreichischen Moderne eine Schlüsselrolle
herrschaft verbunden. 1929 erwarben Julius Beer und seine Frau Margarethe eine einnimmt. Anders als internationale Pendants, wie zum Beispiel die Villa Savoye in Poissy
Liegenschaft im Hietzinger Villenviertel. Das kunstsinnige, dem liberalen Judentum zuge- (1928–31) von Le Corbusier und Pierre Jeanneret oder die Villa Tugendhat in Brünn (1928–
hörige Ehepaar beauftragte Josef Frank und Oskar Wlach mit der Planung eines reprä- 30) von Ludwig Mies van der Rohe, die beide bereits in den 1960er-Jahren unter Denk-
sentatives Wohnhauses, das sowohl ihren gesellschaftlichen Status als auch ihr Kultur- malschutz gestellt wurden, erhielt die Villa Beer diesen Status erst 1987. Nach Jahren
verständnis widerspiegeln sollte. Für die beiden Architekten stellte dies den größten intensiver Forschungs- und Renovierungsarbeiten – unter der Leitung von Lothar Trie-
privaten Auftrag dar, bis dahin hatten sie sich vorwiegend mit sozialem Wohnungsbau renberg, Hausherr und Geschäftsführer der Villa Beer Foundation, und dem Architekten
auseinandergesetzt. Anstatt sich für die strenge Logik des klassischen Grundrisses zu Christan Prasser von cp Architektur – ist jetzt eines der bedeutendsten Wohnhäuser der
entscheiden, entwickelten sie für die Familie Beer ein offenes, dreidimensional gedachtes Wiener Moderne wieder in seiner ursprünglichen Qualität erlebbar.
Raumgefüge. Unterschiedliche Höhen und Größen wurden zu einer lebendigen Abfolge
verbunden, die Bewegung, Orientierung und Blickbeziehungen intuitiv erlebbar macht. Innere Freiheit: Die bauzeitliche Raumstruktur blieb erhalten
Das Glück der Familie in der neuen Villa endete bereits kurz nach Fertigstellung Anfang
der 1930er-Jahre, als Julius Beer nach beruflichen und wirtschaftlichen Rückschlägen Ziel der Renovierungsmaßnahmen war es, das Haus vor dem Verfall zu bewahren und
seine Stellung und schließlich seine Anteile an einer Firma verlor, die Bodenbeläge aus langfristig zu sichern sowie den einzigartigen Charakter des Hauses wieder herzustellen
Gummi herstellte. In der Folge war er nicht mehr in der Lage, die Kreditraten zu bedie- und zugleich an die geplante Nutzung anzupassen. Die Villa war im Laufe ihrer Geschich-
nen. Die Familie behielt zwar ein Wohnrecht, musste das Haus jedoch ab 1932 immer te zwar mehrfach umgebaut worden, eine grundlegende Sanierung hatte jedoch lange
wieder vermieten, um die Rückzahlungen finanzieren zu können. Zu den Mietern dieser Zeit nicht stattgefunden. In einem ersten entscheidenden Schritt wurden das Haus auf
Jahre zählten prominente Künstler wie Richard Tauber, Jan Kiepura und Martha Eggerth, ein neues, stabiles Fundament gesetzt und der Keller grundlegend saniert. Im Zuge der
die das Haus bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1938 bewohnten. Nach der Machtergreifung aktuellen Renovierung wurden die Bereiche vom Erdgeschoss bis zum ersten Oberge-
Hitlers in Deutschland 1933 wurde die Situation der Familie Beer zunehmend schlechter, schoss wieder in ihrer ursprünglichen Raumabfolge erlebbar gemacht. Dazu wurden
und nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 nachträglich eingefügte Fenster geschlossen und zusätzlich eingezogene Wände entfernt.
wurde sie endgültig auseinandergerissen. Das Schicksal der Familie steht exemplarisch Die offene Raumfolge, die lichtdurchfluteten Innenräume und die außergewöhnliche
für die Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Wiens. Materialität prägen das Haus heute wieder so, wie sie gedacht waren. Die bauzeitli-
che Raumstruktur blieb erhalten, wurde jedoch für die erforderliche Infrastruktur des
Josef Frank neu erleben – bedeutendstes Werk der Wiener Moderne zukünftigen Museumsbetriebs adaptiert. Heute beherbergt der Bereich ein Besucherfoyer
mit kleinem Shop sowie Räume für Vermittlung und Verwaltung, Garderobe, Sanitär-
Auch die Lebenswege der Architekten spiegeln diese Zäsur wider: Josef Frank emigrier- bereiche und Technikräume. Außen setzt sich diese „innere Freiheit“ der Villa in einer
te bereits 1934 gemeinsam mit seiner Frau nach Schweden. Oskar Wlach musste 1938 asymmetrischen, differenzierten Fassadengestaltung fort. Keller, Dachgeschoss, Terrassen
Österreich verlassen und floh nach Amerika, wo er nie wieder an seine Erfolge in Wien und Balkone erweitern das Wohnkonzept ins Freie und schaffen Räume für Bewegung,
anknüpfen konnte. Die Biografien der Beers wie auch Franks und Wlachs verweisen Rückzug und Geselligkeit. Franks Vision moderner Architektur zielte auf ein organisches,
exemplarisch auf die zahlreichen zur Emigration gezwungenen Wiener Jüdinnen und lebensnahes Haus, das Wohnen von starren Regeln befreit, Raum für Spontaneität eröff-
Juden und auf den unwiederbringlichen Verlust, den diese Verfolgung für die kulturelle net und die Grenzen zwischen Architektur, Innenraum und städtischem Kontext auflöst
und gesellschaftliche Vielfalt der Stadt bedeutete. Das neue Haus in der Wenzgasse sollte – ein Ansatz, der das moderne Wohnen bis heute nachhaltig prägt. Die Öffnung für Besu-
zum bedeutendsten Werk von Josef Frank und Oskar Wlach werden, zu einer Ikone der cherInnen ermöglicht nun, das Schaffen von Josef Frank neu zu entdecken. Josef Frank
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