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Moritz Maier                                                  Ruonan Wang

                            1996 geboren in Mühldorf/Inn 2014–2018 BA Architecture, TUM 2018 Mit-  1995 geboren in CN-Jilin 2014–2018 BA Architecture, NU Singapore 2020–
                            arbeit RUMO Studio 2018–2020 MA Architecture, NU Singapore seit 2021   2022 P+A Projects 2023–2025 WTR Architekten, München seit 2025 Mit-
                            Porjektltg. Mahlknecht Herrle Architektur seit 2024 Mitglied Bayerische AK  glied Bayerische AK und Project Managerin, Drees & Sommer SE
 MIKROWOHNEN VON MORITZ MAIER UND RUONAN WANG, NATIONAL UNIVERSITY OF SINGAPORE



        von • by Moritz Maier und Ruonan Wang
        D  er Traum vom Eigenheim ist, besonders in Städten, für viele Menschen unerreichbar
           geworden. Steigende Bauzinsen, Inflation und eine hohe Nachfrage bei gleichzeitig
        geringem Angebot haben die Situation in allen deutschen Großstädten verschärft. Die
        Architektur hat als Antwort auf Wohnungsmangel zahlreiche kreative Konzepte hervor-
        gebracht – unter anderem Mikrohäuser. Durch eine Reduzierung der Wohnfläche sollen
        die Baukosten gesenkt werden, während eine durchdachte Gestaltung eine hohe Wohn-
        qualität ermöglicht. Allerdings werden viele der heute gebauten Mikrohäuser für ande-
        re Zwecke genutzt: Als Wochenendhäuser im Grünen dienen sie als zweiter Wohnsitz,
        Homeoffice oder Ferienunterkunft. Zudem haben sich Mikrohäuser in Städten bisher
        nicht etabliert, weil die Grundstückspreise im Vergleich zu ländlichen Gegenden deutlich
        höher sind. Hier setzt unser Projekt an. Mit einer Grundfläche von 2,5 auf fünf Meter
        passt das „Parkplatzhaus“ genau auf einen Standard-Autostellplatz. Durch die Nutzung
        bestehender Parkplatzflächen entfallen Grundstücks- und Erschließungskosten, und es
        müssen keine neuen Flächen versiegelt werden. Gleichzeitig könnten durch eine nach-
        haltige Verkehrswende vermehrt Parkflächen frei werden, die für solche Mikrohäuser
        nutzbar wären. Da sich die meisten Parkplätze in öffentlichem Besitz befinden, könnten
        zudem Städte diese Flächen verpachten oder über ein entsprechendes Parkscheinmodell
        zur Miete anbieten. Der Preis von etwa 60.000 Euro pro Parkplatzhaus eröffnet vielen
        Menschen eine realistische Möglichkeit, städtischen Wohnraum zu erwerben – eine Opti-
        on, die ihnen sonst verwehrt bliebe.
        Der Weg: Hoher Komfort auf kleinstem Raum


        Der Entwurf des „Parkplatzhauses“ nutzt die Vertikale und bringt sämtliche Wohnfunktio-
        nen auf einem zweigeschossigen Grundriss mit insgesamt etwa 16 Quadratmetern unter.
        Dank Klappmöbeln lässt sich vor allem der Wohnbereich mit Küche samt Lagerschrank
        und Bad im Erdgeschoss vielseitig nutzen. Über eine regalähnliche Treppe gelangen Nut-
        zerInnen in den Schlafbereich. Dank der Zweigeschossigkeit wirkt der Wohnraum groß-
        zügig, während der Schlafbereich mit möglichem Doppelbett von den übrigen Nutzungen
        privat beziehungsweise separiert bleibt. Die Dachfenster bringen Licht und Frischluft und
        verhindern dank ihrer Anordnung ungewünschte Einblicke in Rückzugsbereiche. So kann
        das Haus für NutzerInnen in jeder Parksituation funktionieren. Damit das „Parkplatz-  Fensterpositionen für reichlich Frischluft, Tageslicht und Privatsphäre. • Windows for plenty of daylight and privacy.
        haus“ transportabel bleibt, besteht die gesamte Konstruktion aus Holzständerwänden,
        die auf der Innenseite nach der dampfführenden Schicht mit Dreischichtplatten verklei-  Wo heute Autos parken, könnte künftig Wohnraum entstehen. • Parking spaces could provide space for housing.
        det werden. Dadurch wirkt der Innenraum warm, natürlich und ruhig – ein Kontrast zur
        oft hektischen urbanen Umgebung. Die gesamte Dachschräge ist mit Akustikpaneelen in
        Naturtönen verkleidet. Äußerlich passt sich das Parkplatzhaus an seine Umgebung an.
        Um möglichst wenig Grundfläche für Wandaufbauten zu verwenden, werden Sandwich-
        paneele als Fassaden- und Dachverkleidung verwendet. Diese übernehmen die Aufgabe
        des Wind- und Wasserschutzes sowie der Dämmung und der Abdichtung. Die Metallober-
        fläche lässt sich in ihrer Farbigkeit von den BewohnerInnen individualisieren.
        Das Ziel: Mikro-Wohnquartiere weltweit


        Darüber hinaus folgt die Gebäudekonstruktion einem zirkulären Ansatz: Am Ende sei-
        nes Lebenszyklus’ kann das Haus abtransportiert, sortenrein zurückgebaut und recycelt
        werden. Passend dazu ist die Gebäudetechnik zirkulär und autark gedacht: Regenwasser
        wird gefiltert und wiederverwendet, Solarpaneele sorgen für Strom und Wärme. Die Sys-
        teme sind in einem von außen zugänglichen Technikraum untergebracht. Die standardi-
        sierte Größe von Parkplätzen ermöglicht eine flexible Erweiterung: Mehrere Parkplatz-
        häuser können zu einem urbanen Mikro-Dorf zusammengeschlossen werden. Zwischen
        den Einheiten können Terrassen als Gemeinschaftsflächen genutzt werden, wodurch ein
        sozialer Wohnraum im Miniaturformat entsteht. Nicht zuletzt sorgt die Standardgröße
        von Parkplätzen für eine weltweit skalierbare Umsetzung des Konzepts.


                                                                                                                    AIT 7/8.2026  •  035
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