Page 10 - AIT0426_E-Paper
P. 10
FORUM NACHRICHTEN • NEWS
NACHRICHTEN
1
Zu Ostern: Tradition, Kontinuität und ...
In Anbetracht der Schließung und Profanisierung zahlreicher Kirchen ist Die 1959 eröffnete katholische Pfarrkirche St. Augustin im bayrischen Ingolstadt ist das
eine sensible Revitalisierung eine frohe Botschaft. In Sankt Augustin in Erstlingswerk des Architekten Hans Zitzelsperger (1926–1998). Dieser entwickelte die Kir-
Ingolstadt kann dieses Jahr das erste Auferstehungsfest nach der Gene- che als „Zelt Gottes“ über quadratischem Grundriss samt freistehendem Glockenturm (5).
ralsanierung und liturgischen Neuordnung gefeiert werden. meck archi- Nach mehr als sechs Jahrzehnten war nicht nur eine Generalsanierung vonnöten, son-
tekten erhielten den Charakter der katholischen Pfarrkirche, die Hans dern auch eine neue liturgische Ordnung. Ursprünglich war der richtungslose Zentralbau
Zitzelsperger 1959 erbaute hatte, und passten das denkmalgeschützte im Prinzip axial und hierarchisch strukturiert, vom Eingang im Süden bis zur erhöhten
Gotteshaus unter dem Gebot der Stunde „wiederverwenden, weiter- Altarinsel unter dem Dreifaltigkeitsfenster im Norden. Beiderseits des Stufenpodests gab
verwerten, nachwachsende Rohstoffe nutzen“ an neue Realitäten an. es allerdings einige Gestühle, die es erlaubten, sich um den Altar zu versammeln. Im
Laufe zweier Generationen reduzierte sich aber, wie in anderen Gemeinden auch, die
Given the closure and deconsecration of numerous churches, a sensi- Zahl der KirchgängerInnen in Sankt Augustin drastisch – und zwar von einst 450 auf 80
tive revitalisation is good news. In St Augustin in Ingolstadt, the first Gläubige. Aufgrund von diesem Schwund war es an der Zeit, den zu groß gewordenen
Feast of the Resurrection following the comprehensive refurbishment Raum liturgisch neu zu ordnen. Um mehr Nähe zwischen den GottesdienstbesucherInnen
and liturgical reorganisation can take place this year. meck architek- zu schaffen, bildeten meck architekten eine neue Mitte. Dazu rückte das Münchner Büro
ten preserved the character of the Catholic parish church, originally Altar und Ambo ins Zentrum des Raumes. Achsensymmetrisch – und ganz im Sinne des
built in 1959 by Hans Zitzelsperger, and adapted the listed house of Zentralbaus – sind jetzt 150 flexible Stühle vis-à-vis voneinander gruppiert (1). Eine neue
prayer to new realities under the guiding principle of the moment: zweigeteilte Flügeltüre aus Holz im Eingangsbereich unter der Empore (3, 4) lenkt die
reuse, recycle and employ renewable materials. BesucherInnen nun seitlich statt axial in die Kirche hinein und hält somit die Mitte frei.
010 • AIT 4.2026

