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Walking Milan QT8, 2023
von • by Rory Gardiner
www.rory-gardiner.com
Wenn Architekturbüros ihre Projekte ins Bild setzen lassen wollen,
gehört Rory Gardiner zu den gefragtesten Namen der Szene. Der aus-
tralische Fotograf arbeitet für Büros rund um den Globus – und ist
besonders für seine analoge Bildsprache bekannt, die Architektur
nicht nur dokumentiert, sondern atmosphärisch verdichtet: Materia-
lität, Licht und Gebrauchsspuren werden bei ihm zu erzählerischen
Elementen des Raums. Die hier vorgestellte Fotoserie markiert eine
leichte Verschiebung seiner üblichen Perspektive und trifft damit pa-
radoxerweise genau den Kern seiner Praxis: „Die Art, wie ich diese
Bilder aufgenommen habe, bringt ziemlich genau auf den Punkt,
wie ich mich fotografisch mit Architektur auseinandersetzen möch-
te.“ Statt ikonischer Neubauten richtet Gardiner den Blick auf ein
Stück Stadt. Seine Aufnahmen des Quartiere Triennale 8 (QT8) in
Mailand sind weniger klassische Architekturfotografie als vielmehr
präzise Beobachtungen einer gebauten Idee. Wenn im April wieder
die internationale Designszene nach Mailand reist, um den Salone
del Mobile zu besuchen, wirkt die Rolle der Stadt als Designmetro-
pole beinahe selbstverständlich. Bevor wir uns in der kommenden
Ausgabe den Neuheiten der diesjährigen Messe widmen, ist dies
ein passender Moment für einen kurzen Blick zurück. Denn tatsäch-
lich wurde Mailands Rolle als Designmetropole schon Jahrzehnte
vor der ersten Auflage der Leitmesse begründet – unter anderem
durch die Triennale di Milano. Aus ihrem Umfeld ging 1947 auch das
QT8 hervor: ein experimentelles Stadtentwicklungsprojekt des Wie-
deraufbaus. Piero Bottoni entwarf hier ein Modellquartier, das neue
Wohnformen, unterschiedliche Bautypologien und großzügige Grün-
räume erprobte. Gardiners Fotografien halten diesen Ort fest, bevor
Mailand wieder im Rhythmus der Designwoche pulsiert. sf

