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David Cornelius Buggle Michael Stoz
1998 geboren in Konstanz 2022 Bachelor of Sience Psychologie 2024 Ma- 1970 geboren 1996 Diplom Innenarchitektur FH Hildesheim 1997–2000
ster of Sience Psychologie seit 2021 Psychologischer Berater und Coach Angestellter in Planungsabteilung Streit Service & Solutions 2000 Grün-
seit 2024 Psychologe & Workplace Change Consultant, Partner AG Freiburg dung der Partner AG, Offenburg 2012 Dozent an der TH Mittelhessen
Koehler Group, Willstätt: Aufenthaltsqualität als strategische Designentscheidung • Quality of stay as design strategy VEGA, Schiltach: Orte zum Verweilen durch Grundrissentscheidungen • Places to linger due to floor plan decisions.
fühlen. Mitarbeitende, gefragt nach ihrem Eindruck vom neuen Multispace-Büro, betonen bleibt. Die Kaffeemaschine ist ein strategischer Knotenpunkt. Ihre Position im Grundriss
den gesteigerten „Zusammenhalt“, den „Stolz“ und das „Heimatgefühl“. Diese Erkenntnis ist eine Entscheidung über die Innovationskultur. Zusätzlich können Normen wie „kein
widerlegt nicht nur das Vorurteil vom ungeliebten, offenen Büro, sie lässt sich auch in Kaffee am Arbeitsplatz“ diesen Effekt verstärken.
Zahlen übersetzen: Wer stärker mit dem Unternehmen verbunden ist, engagiert sich mehr
und bleibt länger. Wir kommen ins Büro für das Miteinander. Genau darauf setzt das Multi- Der Geist in Bewegung
space-Büro. Für die Gestaltung bedeutet das konkret: Einladende Sozialräume sind der
strategische Kern des Büros. Hier entstehen durch qualitativ hochwertige Umgebungen Im Escape-Game-Experiment wurden Teams unter verschiedenen räumlichen Bedin-
Austausch, Gemeinschaft und belastbare Verbindungen, die auch in stressigen Momenten gungen einer gemeinsamen Problemlösungsaufgabe und Einzelaufgaben ausgesetzt. Das
Unterstützung bieten. Daher benötigt es zentral gelegene Flächen, die zum Verweilen Ergebnis war signifikant: Gruppen in der variablen, aktivierenden Raumkonfiguration
einladen, atmosphärisch überzeugen und signalisieren: Hier ist Begegnung erwünscht. In interagierten öfter und schneller bei gleichzeitig weniger störenden Arbeitsunterbrechun-
Zeiten von Desk Sharing, in denen der persönliche Schreibtisch als Ankerpunkt entfällt, gen als Gruppen in der statischen Einzelbüroumgebung. Folgende Hypothese lässt sich
übernehmen Sozialräume eine neue Funktion: Sie ersetzen das Territoriale durch das daraus bilden: Offene flexible Räumlichkeiten fördern Kollaboration, Rücksichtnahme
Kollektive. Nicht „mein Schreibtisch“, sondern „unser Ort“. Das gelingt nur, wenn diese und steigern die Kapazität zur kollektiven Intelligenz. Der zweite Befund dieses Abschnitts
Räume qualitativ und gestalterisch auf Augenhöhe mit den Arbeitsbereichen sind oder ist kontraintuitiv und gerade deshalb besonders wertvoll für die Kommunikation mit Ent-
sie sogar übertreffen. Ein schlecht belichteter Pausenraum mit vier Plastikstühlen sendet scheidungsträgerInnen. Ja, das Multispace-Büro kann anstrengender sein als das stille
die gegenteilige Botschaft aus. Einzelbüro. Die soziale Dichte, die Vielfalt der Eindrücke, die Anforderungen an Selbst-
steuerung, all das erhöht das Erregungslevel. Und trotzdem – die Stimmung am Ende
Innovation braucht Zufall des Arbeitstags war in Multispace-Umgebungen besser als in Zellenbüros. Die Erklärung
liegt möglicherweise in der Psychologie sozialer Einbettung. Wer den Tag in menschli-
Innovation hat selten einen Termin. Sie entsteht auf dem Weg zur Kaffeemaschine, im cher Nähe, mit wertvollen Interaktionen und spürbaren Fortschritten im Team verbracht
kurzen Innehalten vor dem Whiteboard einer anderen Abteilung, mit der Information hat, geht wahrscheinlich erfüllter nach Hause. Das Einzelbüro schützt zwar vor Reizüber-
einer Kollegin, die plötzlich alles zusammenfügt. Serendipität, also der Mehrwert, der flutung, kann aber auch isolieren. Die Befragungsstudie zeigte: Menschen kommen ins
durch ungeplante Begegnungen und Informationsaustausch entsteht, wird durch das Büro wegen der Kontakte vor Ort und rücken in Tagen geringer Büroauslastung nahe
Multispace-Konzept gefördert. Mitarbeitende und Führungskräfte berichten von großem zusammen, selbst wenn genug Platz wäre, um allein zu sitzen. Im Multispace-Büro gilt
Mehrwert, etwas „zufällig“ mitbekommen zu haben. Prozesse und Onboardings werden das Prinzip „Activity Based Working“ (ABW): Nicht der Schreibtisch, sondern die Tätig-
beschleunigt, Mitarbeitende können sich frühzeitig auf Aufgaben einstellen, ihre Arbeit keit bestimmt den Ort der Arbeit. ABW funktioniert dabei nur, wenn alle Tätigkeitsmodi
besser planen oder durch das Verhalten anderer dazulernen. Hinzu kommt, dass Füh- (Fokus, Kollaboration, Videotelefonie, Socializing, Lernen etc.) wirklich abgebildet sind.
rungskräfte, die in offenen Strukturen physisch präsent und sichtbar sind, von Mitarbei- Lernen als aktive Handlung im Arbeitsalltag wird perspektivisch immer wertvoller. In
tenden als erreichbarer wahrgenommen werden. Führungskräfte werden so zur Ressour- Zeiten extremer technologischer Disruption müssen sich Mitarbeitende und Führungs-
ce, Hierarchien und Hemmungen werden ab- und Vertrauen aufgebaut. Planende müssen kräfte ad hoc digitale Skills aneignen. Dafür braucht es flexible Räumlichkeiten, die unter-
sich bewusst machen: Glückliche Zufälle lassen sich nicht erzwingen, aber sie lassen sich schied- liche Kollaborationsmodi – analog wie hybrid – ermöglichen. Zukünftig denkbar
wahrscheinlicher machen. Wegeführung, Blickachsen und die Positionierung von Auf- sind auch Gaming Zones, die den spielerischen Umgang mit Technologien fördern. Heißt
enthaltspunkten entscheiden darüber, wen man zufällig trifft und ob man dabei stehen- konkret: flexibles Mobiliar, Vorhänge und flexible, immersive Technik. Dennoch werden
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