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Eingangsdiele: Sofabank von Josef Hoffmann und Castiglioni-Leuchte • Entrance hall: sofa bench by Josef Hoffmann Hinter dem Ikea-Sideboard verbergen sich Team-Arbeitsplätze. • Team workstations behind the IKEA sideboard
von • by Petra Stephan
M ehr als drei Jahrzehnte gemeinsamen Arbeitens hinterlässt Spuren – nicht nur in lität als Beispiel für die funktionale Transformation denkmalgeschützter Bausubstanz. Die
über 30 Jahre gewachsene Möbelsammlung liest sich wie eine komprimierte Geschichte
gebauten Projekten, sondern ebenso im eigenen Arbeitsumfeld. Möbel, Leuchten,
Archivsysteme, Materialmuster und eingespielte Routinen bilden bei Ecker Architekten der Moderne: von der Heroenzeit des frühen 20. Jahrhunderts über Mid-Century-Stücke
ein gewachsenes Gefüge, das sich über Jahre verdichtet und fortgeschrieben hat. Der bis hin zu Leuchten der späten 1960er- bis 1980er-Jahre: Viele Stücke gelten als moderne
erzwungene Standortwechsel des Büros infolge eines Eigentümerwechsels wurde so zum Klassiker – doch ihr Status als Ikone schützt sie nicht vor Veränderung. Die sukzessive
Moment der Zäsur: Der Umzug legte offen, was sich angesammelt hatte – und eröffnete zusammengetragenen Eames-Fiberglass-Armchairs wechselten im Lauf der Jahre mehr-
zugleich die Chance, Wertvolles vom lediglich Mitgeführten zu unterscheiden. Mit der fach ihre Untergestelle und Funktionen. Einige davon stammen aus illustrer Quelle – so
neuen Adresse in der Sofienstraße 3 in Heidelberg beginnt kein radikaler Neuanfang, waren einige der Fiberglasschalen früher in einem badischen Gefängnis im Einsatz und
sondern eine präzise Fortschreibung. Die Sofie 3 steht exemplarisch für einen Umgang sind in bemerkenswert gutem Zustand. Die Eames-Hopsack-Stühle waren ein Geschenk
mit Bestand, der Kontinuität nicht konserviert, sondern transformiert. des amerikanischen Zahnärzteverbands, nachdem Robert Piotrowski vor vielen Jahren
dessen Chicagoer Headquarter neu gestaltet hatte. Ein Tisch von Jean Prouvé fungiert
Historischer Rahmen als aktiver Mitspieler heute als zentraler Arbeitsplatz, sein charakteristisches Stahlgestell ist mit einer maßge-
fertigten Holzplatte eines örtlichen Schreiners kombiniert. Die ikonischen LC6-Unterge-
Mitten in Heidelberg, am zentralen Bismarckplatz, befinden sich die neuen Büroräume stelle von Le Corbusier bilden die Basis sämtlicher Arbeitsplätze – einheitlich in RAL 7000
in einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1881. Der Bau im Stil der deut- fehgrau lackiert – und erzeugen eine visuelle Klammer im gesamten Büro. Standardisierte
schen Neo-Renaissance prägt mit seiner repräsentativen Fassade bis heute das städtische Oberflächen gelten hier nicht als dogmatische Grenze, sondern als Ausgangspunkt für
Umfeld an einem der meistfrequentierten Orte der Stadt. Ursprünglich diente das Haus Weiterentwicklung. Durch Modifikation bleiben die Objekte relevant: Sie dürfen altern,
dem benachbarten Kurfürst-Friedrich-Gymnasium als Lehrerwohnhaus. Diese historische sich verändern und neue Rollen übernehmen. Designgeschichte erscheint nicht als abge-
Verbindung ist bis heute ablesbar: Eine Bleiverglasung im Erker mit den Darstellungen schlossenes Kapitel, sondern als fortlaufender Prozess.
des Kurfürsten Friedrich und seiner Frau Luise verweisen auf die ursprüngliche Nutzung
und die Bildungsinstitution, der das Haus zugeordnet war. Im Inneren sind wesentli- Pragmatik als Haltung: bewahren, ergänzen und weiterbauen
che Elemente der historischen Ausstattung erhalten geblieben. Parkettböden, dekora-
tive Stuckdecken und originale Einbauten bestimmen die räumliche Atmosphäre. Die Neben den bekannten Entwürfen prägen funktionale Elemente den Alltag: Drucker-
neuen Büroräume greifen diese Substanz nicht als Kulisse auf, sondern als konstruktiven schränke, Regalsysteme und Materiallager. Besonders charakteristisch sind Wandregale
Rahmen: Die historische Struktur bleibt ablesbar, während zeitgemäße Arbeitsbereiche nach einem Entwurf von Egon Eiermann, gefertigt von einem befreundeten Schlos-
behutsam integriert werden. So entsteht ein Arbeitsumfeld, das zwischen repräsentati- ser. Sie begleiten das Büro seit über 20 Jahren durch mehrere Umzüge, haben Pati-
ver Stadträumlichkeit und historischer Innenraumqualität vermittelt – ein Beispiel dafür, na angesetzt und sich stets neuen Raumkonfigurationen angepasst. Auch die Mate-
wie denkmalgeschützte Bausubstanz weitergenutzt und zugleich funktional transformiert rialbibliothek folgt einem pragmatischen Ansatz. Einfache Kieferregale wurden über
werden kann. Anstatt nun diese historischen Elemente zu neutralisieren oder in einen Generationen ergänzt und weitergebaut. Hier manifestiert sich ein Verständnis von
weißen Hintergrund aufzulösen, werden sie als aktive Bestandteile der Arbeitsumgebung Nachhaltigkeit, das auf Langlebigkeit statt Austausch setzt. Wiederverwendung und
verstanden. Vergangenheit und Gegenwart stehen nicht im Wettbewerb, sondern in pro- Ergänzung sind kein ästhetisches Statement, sondern gelebte Praxis. Jedes Objekt wird
duktiver Koexistenz. Die Stuckdecken rahmen heutige Entwurfsprozesse, die Patina des so mehrfach gedacht – als autonome Einheit und als Teil eines größeren Systems. Qua-
Parketts kontrastiert mit präzise gesetzten Interventionen. Der Raum wird nicht museal lität der Materialien, Dauerhaftigkeit der Oberflächen und Kombinierbarkeit bestim-
konserviert – er wird Arbeitsraum. Gerade in dieser Selbstverständlichkeit liegt seine Qua- men die Auswahl. Es sind letztlich Kriterien, die gleichermaßen für das eigene Büro wie
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