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BÜRO UND VERWALTUNG • OFFICE BUILDINGS THEORIE • THEORY
kurzfristig der klassische Arbeitsplatz ebenso wenig wie der klassische Besprechungs- oder Fokusraum
verschwinden. Eines der hartnäckigsten Vorurteile gegenüber dem Multispace-Büro lautet: „Dort kann
man nicht konzentriert arbeiten.“ Die Tagebuchstudie widerlegt das, differenziert aber entschieden. Es
geht nicht um die Anzahl der Unterbrechungen, sondern um deren Qualität. Unterbrechungen im Mul-
tispace-Büro werden häufiger als relevanter und nützlicher erlebt als im Einzelbüro. Die Störung durch
einen Kollegen, der eine wichtige Information beiläufig teilt, ist strukturell eine andere als das Klingeln
des eigenen Telefons. Jedoch muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass das Bedürfnis nach wirk-
lichem Rückzug und konzentriertem Arbeiten derzeit weiter zunimmt. Eine Begründung könnte in der
rasant steigenden Anzahl digitaler Tools, medialer Unterbrechungen und Meetings liegen. Das Multispace-
Büro von heute sollte dieses Bedürfnis in jedem Fall berücksichtigen. Planen Sie Rückzugs- und Fokus-
zonen als eigenständige Raumtypologie mit dem zur Firma passenden Flächenanteil ein. Videotelefonie
hat den Bedarf an schallgedämmten Rückzugsräumen massiv erhöht: Wer mehrere Stunden täglich im
Call sitzt, braucht einen Raum mit Tür und ausreichender Belüftung. Einzelkabinen ohne Lüftung sind
für kurze Telefonate geeignet, nicht für konzentriertes Arbeiten über längere Zeiträume. Buchbare Einzel-
büros mit Tageslicht und frischer Luft für alle, nicht nur für Führungskräfte, geben Mitarbeitenden einen
Knotenpunkte: Serendipität folgt der Wegeführung. • Junctions: Serendipity follows the routes. verlässlichen Ort und schaffen echte Privatsphäre. Nicht jedes Gespräch ist für die Fläche gedacht. Dar-
über hinaus braucht jedes Multispace-Konzept ruhige Zonen mit echtem Wohlfühlcharakter: gedimmtes
Aktivierungszone als vollwertige Raumtypologie • Activ zone as a fully-fledged room typology Licht, weiche Materialien, beruhigende Farbpalette. Stille muss sich auch anfühlen wie Stille. Akustik
gehört nicht nur in die Fokuszone, sondern in jeden Raumtyp. Schallabsorption zwischen den Tischen,
an Decke, Wand und Boden ist unabdingbar für den Erfolg des Multispace-Büros. Auch Fokuszeiten,
also vereinbarte Zeitfenster, in denen nicht gestört wird, lassen sich räumlich unterstützen, etwa durch
Beschilderung oder Ampelsysteme. Sie können aber ebenso gut als unternehmensweite Regelung einge-
führt werden, unabhängig vom konkreten Raumkonzept.
Wandel als emotionale Reise – Architektur und Unternehmenskultur
Wer Mitarbeitende vor dem Umzug in ein neues Bürokonzept befragt, bekommt oft Skepsis als Resonanz.
Wer sie sechs bis zwölf Monate danach befragt, bekommt häufig ein anderes Bild. Sogenannte Cognitive
Affective Maps (Mindmaps mit emotionaler Bewertung der Begriffe) dokumentierten diesen Wandel ein-
drücklich: Negative Vorannahmen, wie „Es wird laut sein“, „Ich werde ständig abgelenkt“, „Ich verliere
meine Privatsphäre“ weichen den realen positiven Erfahrungen. Diese Veränderung von Annahmen spie-
gelt einen Lernprozess wider, der von den ArchitektInnen und der Firma selbst angestoßen und beglei-
Vollflexibler Workshop-Raum: ABW in einem Frame • flexible workshop space: AWB in a frame tet werden muss. Drei Faktoren beschleunigen diesen Lernprozess entscheidend. Erstens – die Vorbild-
funktion der Führung: Führungskräfte, die das neue Büro sichtbar nutzen, den Marktplatz beleben und
auf den Elfenbeinturm verzichten, normalisieren das Neue. Zweitens – wie bereits im ersten Abschnitt
angesprochen – Partizipation: Mitarbeitende, die in die Gestaltungsphase eingebunden waren, identifizie-
ren sich stärker mit dem Ergebnis. Drittens – formelle und informelle Feedbackschleifen. Feedback zum
Büro, zum gemeinsamen Arbeiten, zum lauten Telefonieren muss möglich sein, um Stressoren gering zu
halten. Räumliche Pilotflächen können ebenfalls ein wirkungsvolles Instrument sein, um die Mitarbeiten-
den gut vorzubereiten: ein Stockwerk oder ein Team, das als Early Adopter das neue Konzept erlebbar
macht, bevor die gesamte Organisation umzieht. Ein Multispace-Büro, das ohne kulturellen Rahmen
eingeführt wird, bleibt ein teures Gimmick. Die Zonierung funktioniert nur, wenn die Nutzungsnormen
gelebt werden. Die Fokuszone hilft nur, wenn Führungskräfte akzeptieren, dass dort nicht gestört wird.
Der Marktplatz entfaltet seine Wirkung nur, wenn das Unternehmen informelle Kommunikation als Wert
versteht und nicht als Ablenkung. Für InnenarchitektInnen bedeutet das eine Erweiterung des Selbst-
verständnisses: Sie sind nicht nur Raumgestaltende, sondern auch Kultur-ArchitektInnen. Wer seinen
Auftraggebern von Anfang an deutlich macht, dass der schönste Grundriss ohne kulturelles Begleitpro-
Rückzug durch Materialität und Zonierung statt Tür • Recess through zoning instead of doors gramm sein Potenzial nicht entfalten kann, liefert einen Mehrwert, der weit über die Fläche hinausgeht
und sich rechnet: in Produktivität, in Bindung, in Identifikation. Die Investitionsfrage stellt sich am Ende
nicht mehr als „Was kostet ein gutes Büro?“, sondern als „Was kostet mich ein schlechtes?“ Wer das Büro
als strategisches Werkzeug begreift, rechnet anders.
T he office offers an opportunity that is often overlooked: it is able to fill social gaps. At a time
when traditional structures of belonging, such as clubs, neighbourhoods and religious commu-
nities, are more and more losing their binding force, the workplace can succeed in becoming a place
of social integration: a place where people are able to feel a sense of belonging. In times of mobile
working, when employees are often only actually present in person in the office sporadically, emplo-
yee retention becomes a strategic design task interior architects are facing. The fact is that empty
corridors in any office building are deadly poison for corporate culture and encourage even the last
remaining office workers to prefer staying and working at home. And what is the consequence of
this? Companies everywhere are reducing space, they are instead opting for modern office concepts
with desk sharing or trying to bring their employees back to the workplace with strict back-to-of-
fice regulations. This change prompted Partner AG in Freiburg and Offenburg to enter into a very
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