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Andrea Eschbach
Foto: Pierre Adenis, Berlin Die Kunsthistorikerin aus Mannheim lebt seit 2001 in der Schweiz. Sie
publiziert zu den Themen Wohnen und Raum, Design und Architektur in
Fachzeitschriften, Publikumszeitschriften und Buchverlagen.
Unverputzter Lehm prägt zusammen mit Holz das Innere. • Unplastered clay and wood characterize the interior. Das mehrgeschossige Atrium erweitert die Büroflächen. • The multi-storey atrium extends the office space.
von • by Andrea Eschbach, CH-Baden
D as stark wachsende Schweizer Unternehmen Erne Holzbau verdoppelte in den letz- Meyer in Risch-Rotkreuz zum Einsatz und wurde nun von den Architekten in Zusammenar-
beit mit Erne Holzbau weiterentwickelt. Die Treppenkerne in Stampflehm und der schwin-
ten zehn Jahren die Anzahl der Mitarbeitenden auf nun 330. Das bestehende Büroge-
bäude platzte aus allen Nähten, höchste Zeit also, den Bestandsbau im Schweizerischen dungsarme Recycling-Boden aus Mischabbruch im Erdgeschoss zeugen vom Anspruch,
Stein durch einen Neubau zu ergänzen. Der Auftrag ging an Burkard Meyer Architekten, kreislauffähige und ökologische Materialien einzusetzen. Da Lehm aber keine aussteifende
die 2013 bereits ein Betriebsgebäude am Standort realisiert hatten. Um aktuellem und Funktion hat, kam die Idee mit verstärkenden Stahlkreuzen auf. Die Böden liegen nun
künftigem Platzbedarf sowie zeitgemäßen Organisationsformen gerecht zu werden, plan- auf der Holzstruktur, die von einzelnen Stahlkreuzen ausgesteift wird und von den Lehm-
ten die Architekten einen dreigeschossigen Büroneubau auf dem Gelände in Stein. Unter kernen abgelöst ist. Es handelt sich also um zwei eigenständige statische Einheiten. Der
Einbeziehung des bestehenden Holzmodulbaus – damals erstellt aus Re-Use-Modulen, Stampflehm wurde vor Ort aus dem Aushub gewonnen und konnte durch den Bau einer
die das Unternehmen von einem Kunden zurückgekauft hatte, entstand ein neues räum- Fertigungsstraße mit Robotern gestampft werden. „Zwar kosteten die Teile dank Robo-
liches Ganzes mit Innenhof, in dem sich offene Raumsequenzen mit den Raummodulen ter etwa ein Drittel weniger, als wenn sie von Menschen gestampft worden wären, aber
des Bestandes zu einer flexiblen Bürowelt ergänzen. Dabei setzt der als Holzhybridbau Stampflehmbau ist, solange das CO nicht eingepreist wird, nach wie vor nicht günstig“,
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geplante Neubau mit seiner Erschließung und der Anordnung der Primärräume die Logik wie Oliver Dufner vom Büro Burkard Meyer bedauert. „Lehm ist für die Holzbaufirma vor
des Bestandes fort. Die horizontale Erschließungsfigur bildet zusammen mit der zentral allem eine Liebhabergeschichte, die weitergeht. Aber natürlich prägt der unverputzte Lehm
im Atrium liegenden Treppe und den Verbindungsbrücken ein Kontinuum, das die verti- die Räume und reguliert auch das Innenraumklima.“
kale Verbindung zum im Erdgeschoss liegenden sogenannten Marktplatz schafft. Dieser
ist der neue Mittelpunkt des Hauses und bietet durch die offene, geschossübergreifende Zukunftsfähig und zukunftsweisend – und demontierbar
Räumlichkeit sowohl Möglichkeiten für gemeinsames Arbeiten im Team als auch für Ver-
anstaltungen. Die Eingangshalle mit Empfang und Cafeteria ergänzt der offene Innenhof Der Erweiterungsbau repräsentiert ein zukunftsfähiges Vorbild für die nächste Generati-
des Altbaus. Der fließende Grundriss um das Atrium lässt sich flexibel einteilen, im Sinne on von Bürobauten, indem er den Kreislaufgedanken, minimalen Rohstoffeinsatz sowie
der Nachhaltigkeit kann so auf Nutzungsänderungen gut reagiert werden. Zusammen smarte Werkstoffverbindungen und natürliche Materialien unter einem Dach vereint. Stell-
mit dem Innenhof ergibt sich ein vielfältiges Angebot unterschiedlich nutzbarer Räume vertretend für derzeitige Strategien im Umgang mit einer CO -reduzierten Bauweise folgt
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und Bereiche: In den beiden oberen Geschossen befinden sich Open Spaces, Räume für der Neubau dem „Design for Disassembly“-Gedanken – auch in der äußeren Erscheinung.
den individuellen Rückzug sowie Sitzungszimmer. Das fein gegliederte Dachtragwerk mit So wird die filigrane Fassadenstruktur aus Aluminium und Glas zweiseitig durch horizon-
Shedoberlichtern bringt, zusammen mit dem Sichtbezug in den Gartenhof, Tageslicht in tal angeordnete Photovoltaikelementen komplettiert, die dem Gebäude zusammen mit
das Innere des Gebäudes. den Ausstellmarkisen eine gewisse Leichtigkeit verleihen. Die 638 Quadratmeter große
Fläche von Photovoltaikmodulen produziert 78.000 kWh ökologischen Strom pro Jahr. Die
Holz, Lehm und Glas bestimmen das Innere Fachwerkkonstruktion kann gegebenenfalls einfach rückgebaut, sortenrein zerlegt und an
anderer Stelle neu aufgebaut werden. Die Kombination von bestehendem Holzmodulbau
Ausgeklügelt konstruiert sind die eigens entwickelten Verbindungsknoten im filigranen und neu hinzugefügtem Holzhybridbau hat in vielerlei Hinsicht große Vorteile. Neben dem
Fachwerk, welches das gesamte Atrium 15 Meter weit überspannt. Das Tragwerk folgt variierenden Raumangebot zeigt der Komplex auch zwei sich ergänzende Formen der Vor-
einem Raster von sechs mal sechs Metern. In die Tragstruktur aus Stabbuche werden fertigung und bildet damit die unterschiedlichen Kompetenzfelder der Bauherrschaft ab.
hybride Holzbetondeckenelemente eingefügt, die sowohl der Kühlung, Heizung und Lüf- Durch die enge Zusammenarbeit von Bauherrschaft und Planern bei der Realisierung des
tung als auch der Raumakustik dienen. Das im Werk vorgefertigte, CO -arme Hybridsys- Gebäudes entstand ein in Erstellung und Betrieb vorbildhafter Bau, der zudem eine indus-
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tem kam bereits im ersten Holzhochhaus der Schweiz, dem „Suurstoffi 22“ von Burkard triell geprägte Planungs- und Fertigungslogik in ein stimmiges Raumerlebnis überführt.
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